28.04.2026_PA: Botschaft zum 1. Mai
Katholische Arbeitnehmer:innen fordern Erbschaftssteuern als Beitrag der Reichsten zum Budget
(Wien, 28. April 2026) Anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai, erinnert die Katholische Arbeitnehmer:innen-Bewegung Österreich (KABÖ) an Worte des Kirchenvaters Ambrosius aus dem 4. Jahrhundert, der die Umverteilung von Eigentum anspricht, wenn er laut Überlieferung sagt: „Du gibst dem Armen nicht von deinem Eigentum, sondern du gibst ihm von dem seinen zurück. Denn du hast dir bloß angemaßt, was für den gemeinsamen Gebrauch bestimmt war.“ Karl Immervoll, Bundesseelsorger der KABÖ, sieht darin einen Anspruch, der auch heute noch Gültigkeit hat: „Umverteilung war schon für den Kirchenvater Ambrosius eine Frage der Gerechtigkeit. In unserer Gesellschaft findet dieser Ausgleich durch steuerlich festgesetzte Sätze statt, immer mit dem Ziel, allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Unser Steuersystem wird diesem solidarischen Anspruch noch zu wenig gerecht.“
Erbschaftssteuern als Gebot der Stunde
Die Katholische Arbeitnehmer:innen Bewegung Österreich beobachtet mit großer Sorge, dass in den Budgetverhandlungen das Sparen bei den Ärmsten an oberster Stelle steht, während der Zuwachs an Vermögen steuerlich ungenützt bleibt. „Reiche und Kapitalgesellschaften in unserem Staat bleiben weitgehend verschont, während bei den Ärmsten gespart wird. Die Stadt Wien kürzt bei der Mindestsicherung, die Stadt Salzburg spart bei der Pflege, Tirol bei der Hilfe für Menschen mit Behinderung, Oberösterreich bei Sozialeinrichtungen, allgemein wird bei Familien, Obdachlosen, Geflüchteten, Menschen mit Behinderung, Senior:innen und Suchtkranken gekürzt“, kritisiert Hubert Gratzer, Bundesvorsitzender der KAB. Gleichzeitig gebe es Preissteigerungen, die vor allem untere Einkommensschichten belasten. „Vermögend zu sein bedeutet nicht nur Reichtum, sondern auch Einfluss nehmen zu können. Ungerechte Vermögensverteilung in einer Gesellschaft führt auch dazu, dass Einfluss in einem ungleichen und somit ungerechten Ausmaß verteilt ist. Das tut unserem demokratisch organisierten Staatswesen, das auf möglichst gerechter Verteilung basiert, nicht gut“, mahnt Gratzer.
„Kürzungen beim Lebensnotwendigen bringen Menschen nicht nur in Not, sie führen zu Verarmung, haben gesundheitliche Konsequenzen und erhöhen sogar die Suizidrate, weil den Menschen die Zukunftsperspektive fehlt“, weiß Seelsorger Karl Immervoll aus seiner praktischen Arbeit in verschiedenen Arbeitsprojekten. „Austeritätspolitik kostet Menschenleben! Zudem wirkt sich solche Verunsicherung auf das politische Verhalten der Bürger:innen aus und gefährdet die Demokratie nachhaltig.“
Daher sieht die KAB eine Besteuerung von Erbschaften als Gebot der Stunde. Österreich ist eines der wenigen Länder in Europa, das auf die Erbschaftssteuer und somit auf diese Ausgleichsmaßnahme verzichtet. Das sei aus einem christlich-solidarischen Verständnis nicht haltbar.
