16.03.2026_PA: Wechsel an der Spitze der Katholischen Arbeitnehmer:innen Bewegung Österreich: Anna Wall-Strasser übergibt an Hubert Gratzer den KABÖ Bundesvorsitz
(Wien, 16.3.2026) Nach sieben Jahren, also fast zweieinhalb Perioden im Amt, übergibt Anna Wall-Strasser den KABÖ Vorsitz an ihren Nachfolger Hubert Gratzer.
Die KABÖ Bundeskonferenz wählte am vergangenen Samstag, den 14.3.2026 in Wien ihren neuen Bundesvorsitzenden einstimmig für die kommenden drei Jahre.
Doch zunächst wurde in einem Festakt am 13.3. im Rahmen der 75 Jahr-Feier der KAB Österreich im Stephanisaal die langjährige Bundesvorsitzende Anna Wall-Strasser mit der goldenen KAB-Ehrennadel „Brot&Rosen“ ausgezeichnet.
Erste weibliche KAB Bundesvorsitzende
Wall-Strasser war die erste weibliche Bundesvorsitzende und übernahm 2018 in schwierigen Zeiten diese Funktion. Tatkräftig erkämpfte sie nach zweijähriger Vakanz seitens der Bischofskonferenz die Wiederbesetzung der Stelle der Generalsekretärin. Die geringe Anzahl von zehn Wochenstunden der
hauptamtlichen Generalsekretärin erforderten einen hohen ehrenamtlichen Einsatz der gesamten Bundesleitung, um die Agenden der Österreichebene überhaupt umsetzen zu können.
Das neue Bundesleitungsteam mit dem Bundesseelsorger Karl Immervoll, den stv. Vorsitzenden Reinhold Grausam und Philipp Kuhlmann sowie der Generalsekretärin Gabriele Kienesberger nahm bald volle Fahrt auf und so konnten Projekte durchgeführt und Vernetzungen intensiviert werden.
Von Veranstaltungen zum Soziallehrejubiläum 2021 gemeinsam mit ksoe und FCG, über Buchpräsentationen zu Grundeinkommen und Jobgarantie mit universitären
Forschungseinrichtungen, der stammtischtauglichen Verbreitung der KAB Themen mittels eines Themenwürfels, der zum „Reden über Gute Arbeit, Care Arbeit, Arbeitslosengeld, Reichtum und Armut sowie Grundeinkommen“ anregte, hin zu regelmäßigen social media Auftritten und Presseaussendungen.
Anna Wall-Strasser war auch im KAÖ Präsidium eine geschätzte und verlässliche Stimme für die Themen Arbeit und die gerechtere Gestaltung unserer Gesellschaft. Die KAÖ Dossier-Reihe anlässlich der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode eröffneten Anna Wall-Strasser und Karl Immervoll mit dem blauen Dossier „Arbeit und soziale Fairness“.
Auf Europaebene nahm Wall-Strasser an den EBCA Konferenzen in Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland und Südtirol teil, oftmals in der Redaktion für das Abschlussstatement zuständig und regelmäßig als Gesprächsleiterin der Expert:innenrunden. 2024 war sie Teil des Konzeptteams für die Europäische Frauensommerakademie in St. Pölten zu Care-Arbeit.
KAB – eine dynamische Minderheit, die Vernetzung braucht und erfolgreich lebt
Ihre Definition der KAB als „dynamische Minderheit“ beflügelte sie gewissermaßen, weil sie durch Kooperationen mit Gewerkschaften, Arbeiterkammer und sozial-kritischen NGOs, verstärkt der Forderung nach gerechteren Arbeitsbedingungen besonders für Frauen und der Notwendigkeit eines sozial gerechten ökologischen Umbaus unserer Arbeitswelt Nachdruck verleihen konnte. Innerhalb der katholischen Kirche Österreichs bemängelte sie oft die Leerstelle in den Bischofsagenden diesbezüglich.
Zeitgeschichte und Erinnerungskultur prägen nach wie vor ihr Engagement das in Publikationen und Veranstaltungen zu Austrofaschismus und Nationalsozialismus ihren Ausdruck fand. So gab die KABÖ 2024 eine Erklärung zum Austrofaschismus und den Arbeiterkämpfen 1934 ab, an der Wall-Strasser wesentlichen Anteil hatte.
Als KABÖ Vorsitzende schrieb sie regelmäßig in der KABÖ Quartalsschrift ZeitZeichen den Kommentar „solidarisch betrachtet“ und war Teil des Redaktionsteams. Diese Aufgabe wird sie weiterführen.
Mit großer Dankbarkeit und unter den Klängen des Liedes „Brot und Rosen“ überreichten die Vertreter:innen der Diözesen Brot und Rosen, ganz im Sinne des Liedtextes „Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bess‘rer Tag …“
Hubert Gratzer, ein leidenschaftlicher Betriebsseelsorger
Der neue KABÖ Bundesvorsitzende Hubert Gratzer, ein gelernter Schlosser, der seit seinem 14. Lebensjahr in der KAJ und später in der KAB mitgearbeitet hat, war zuletzt Betriebsseelsorger in der Diözese Linz im Bereich Mensch&Arbeit.
Seine beruflichen Stationen dorthin waren u.a. Diözesansekretär der KAJ OÖ, Lehrlings- und Jugendarbeiter in der Betriebsseelsorge Linz Mitte, nach der Ausbildung zum Religionspädagogen 11 Jahre Unterricht in der Berufsschule kombiniert mit Jugendarbeit. 1997 übernahm er die Leitung in
der Erwachsenenarbeit der Betriebsseelsorge Linz Mitte und den Aufbau des Lehrlingszentrums ZOOM.
Der 63jährige Jungpensionist bringt Empathie aus der Basisarbeit mit, Erfahrung aus der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und eine große Leidenschaft für Arbeiter:innen-Lieder und Kulturvermittlung im Arbeiter:innenmilieu.
„sehen – urteilen – handeln – leben“
Sein Motto „sehen – urteilen – handeln – leben“ ergänzt er gerne mit dem Satz von Dorothee Sölle „Erfolg ist keine Qualität Gottes, sondern das Richtige zu tun.“ In der KAB sieht er eine dynamische Minderheit mit vielen transformativen Zellen, die viel bewirken können.
An Hubert Gratzer werden allseits seine Kreativität und Schlagfertigkeit, aber auch sein Humor und seine klare Positionierung zu sozialen Themen und für benachteiligte Menschen geschätzt. Mit dem Musiker Hubert Gratzer bekommt die Melodie Gottes zusätzliche Akkorde in der KABÖ.
Nicht von ungefähr kommt sowohl Wall-Strasser als auch Gratzer ursprünglich aus der oberösterreichischen KAB und Betriebsseelsorge, die auch in der neuen Linzer Diözesanstruktur eine feste Verankerung haben. „Mensch & Arbeit“ gilt als Markenzeichen für Basisarbeit, d.h. mit den Betriebsseelsorgezentren bei den Menschen zu sein, am offenen Sozialstammtisch brisante Themen aus der Arbeitswelt zu diskutieren, für und mit Care-Arbeiter:innen und die Verbesserung ihrer prekären Situation einzutreten, aber auch immer wieder auf der Reflexionsebene das Gespräch zwischen Kirche, Wirtschaft und Arbeitswelt zu suchen.
Seitens der Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Diözesen kam einmal mehr die Bestätigung, wie wichtig die Impulse von der Bundesebene für ihre Arbeit vor Ort seien. Motivation für bundesweite Zusammenarbeit käme auch durch die vielfältigen Möglichkeiten sich für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen in Arbeitswelt & Kirche Expertise abholen zu können. Das einhellige abschließende Statement der Bundeskonferenz lautete: „KAB ist Lebenseinstellung und Werthaltung.“
