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Druckansicht - Freitag 18. Mai 2012
Mensch & Arbeit
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Inhalt

Symposion: P. Gapp - sein soziales Engagement und sein Verhältnis zum Nationalsozialismus

Beitrag von Franz Wechselberger


Ich will ehrlich sein und deshalb eingangs feststellen, dass mich Heilige und Selige, mit Ausnahme meines Namenspatrons Franz von Assisi, relativ wenig interessiert haben.


Weil ich mich gewundert habe, dass es in der Diözese ein Otto Neururer-Haus – Priesterseminar – gab und kein Jakob Gapp-Haus, obwohl der auch am selben Tag in Rom selig gesprochen wurde. Ich habe beschlossen, mich mit diesem „Seligen Jakob Gapp“ näher zu beschäftigen.

Prof. Dr. Rotter hat uns einmal gesagt, einen Zugang zu Seligen und Heiligen findet man nur dann, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.


Dachte ich zunächst, dass es außer dem Buch, das vom Verlag der Tiroler Kirchenzeitung angeboten wurde, nichts gibt, so stieß ich immer wieder in Kirchen und Kapellen auf das eine oder andere Bild oder auf eine Broschüre. Ich las alle, suchte im Internet nach Informationen und stellte fest, dass es hier einen Seligen gibt, der mir persönlich unheimlich nahe stand und zwar


  • vom familiären Umfeld
  • vom Arbeitermilieu her
  • von der Schule in Hall
  • von der Freiwilligkeit, mit der er 1915 an die Südfront ging


Er lebte in einer Umwelt, die mir persönlich – aus beruflichen und privaten Gründen – sehr vertraut ist. Ich stellte fest, dass ich sogar Verwandte von ihm persönlich kenne.


Als langjähriger Diözesanvorsitzender der KAB Tirol stellte ich fest, dass es hier einen Seligen gibt, der uns als KAB – die Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung ist ja eine sozial orientierte Bewegung innerhalb der Katholischen Aktion – Vorbild ist, weshalb ich den Vorschlag gemacht habe, dass Bischof Dr. Alois Kothgasser den Seligen P. Jakob Gapp zum 2. Patron der KAB Tirol ernennen möge, was er ja auch getan und mit der Urkunde vom 28. 9. 2002 beurkundet hat.


Darin enthalten ist ja auch der Auftrag an die KAB mit folgender Begründung:


Was den aus dem Arbeitermilieu in Wattens stammenden Jakob Gapp besonders charakterisierte, ist die soziale Komponente seines Lebens. Wegen seiner unbeirrten Geradlinigkeit, seines sozialen Denkens und Handelns, seines Eintretens für die christlichen Werte, geriet er mit dem menschenverachtenden Regime in Konflikt und opferte als Martyrer sein Leben.


Die KAB fühlt sich dem Beispiel des Seligen verpflichtet,


  • hellhörig zu sein für die Nöte der Mitmenschen und die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft,
  • kritisch zu sein in der Beurteilung von gesellschaftlichen Zusammenhängen und
  • engagiert zu handeln, wenn es um die Hilfe der Menschen und das Aufzeigen von Missständen in der Gesellschaft und in wirtschaftlichen Betrieben geht.


Was mich an Jakob Gapp so faszinierte:

Jakob Gapp setzte sich mit den Strömungen der Zeit immer kritisch auseinander; im Ersten Weltkrieg mit dem damals aufkommenden Sozialismus und später als Priester mit dem aufkeimenden Nationalsozialismus.


Er führte zu seinem Studium in Fribourg ja selbst aus: „Im Laufe der Studienjahre werde ich nur das annehmen, was mir wirklich einleuchtet. Von einem oberflächlichen und aufgezwungenen Glauben an die Dogmen der kath. Kirche darf keine Rede sein. Ich werde nur dann mit voller Überzeugung vor anderen reden können, wenn es zuerst ganz innerlich mein Eigentum geworden ist. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich diesem meinen Vorsatz seither treu geblieben bin. Ich habe meine Seminarzeit von 1925 – 1930 sehr genützt, habe mit Freimut meinen geistlichen Vorgesetzten gegenüber Lehren zurückgewiesen, die mir als nicht genügend begründet oder sonst wie als übertrieben oder gefühlsduselig erschienen.“ (1)


Um sich objektiv eine Meinung zu bilden und sein Bewusstsein zu schärfen, hat er auch antikatholische Schriften gelesen und stellt dabei fest: „Ich kam jedoch gerade auch aus dem Studium solcher Werke mehr und mehr zur Überzeugung von der Richtigkeit des katholischen Glaubens.“ (2)



Sobald Jakob Gapp erkannte hatte, wohin der Weg führte und was er für richtig hielt, hat er dies auch konsequent vertreten. „Mehr als andere seiner Mitbrüder und seiner kirchlichen Oberen war Jakob Gapp mit dem Charisma der Unterscheidung der Geister begabt.“ (3)


Mich begeistert an ihm seine Geradlinigkeit und Offenheit, mit der er seine Meinung vertreten hat und die er auch als Priester, Lehrer und Erzieher an den Tag gelegt und seinen Schülern weiter gegeben hat. (4)


Er war durch und durch sozial. Kirchliche Soziallehre war für ihn kein toter Buchstabe, sondern musste in die Tat umgesetzt werden. Er hat das, was er gesagt hat, auch vorgelebt.


Er sorgte auch dafür, dass Schüler und Mitbrüder sich mit der Armut nicht nur im Unterricht und in religiösen Konferenzen theoretisch auseinander setzten, sondern mit den Menschen, die in Armut leben auch konfrontiert wurden. „Er hatte ein feines Gespür für Not und Armut der Mitmenschen und konnte seinem Charakter entsprechend sehr energisch werden, wenn er offene Ungerechtigkeit oder Verschwendungssucht anprangern zu müssen glaubte“, so der Zeuge Dr. Schilling. (4)


Er hat selbst auf vieles verzichtet. Zum Beispiel hat er das Heizmaterial für sein Zimmer an die Armen verteilt, hat überflüssiges Brot gesammelt und es mit den Schülern an die Armen in der Stadt Graz verteilt. Er selbst blieb dabei immer im Hintergrund. Er war ein Mann der Tat.

Jakob Gapp war außerdem ein hoch gebildeter Mann, der in mehreren Sprachen Religion unterrichtet hat und auch mehrere Sprachen selbst unterrichtet hat.


Zusammenfassend sage ich:

Jakob Gapp war ein Mann, der allen,

  • die in Schulen oder in der Erziehung tätig sind,
  • die in den Arbeitnehmervertretungen in Betrieben, Arbeiterkammer oder Gewerkschaft tätig sind,
  • die in Gesellschaft und Politik Verantwortung tragen,
  • die in der Kirche oder im kirchlichen Bereichen als Ehrenamtliche eine Funktion ausüben


ein Vorbild sein kann, oder wie es unser Altbischof Dr. Reinhold Stecher ausgedrückt hat: „Er war ein Juwel, an dessen Härtegrad die Mächte des Bösen zerbrochen sind.“


Franz Wechselberger

Leiter des Arbeitskreises Jakob Gapp


(1)Vernehmungsprotokoll vom 27.1.1943, S. 24
(2) Vernehmungsprotokoll vom 27.1.1943, S. 25
(3) Dr. Josef Levit, Dokumentation, Seite 30
(4) Zeugenaussage im Seligsprechungsverfahren, Original im Provinzarchiv der Marianisten





Welttag für menschenwürdige Arbeit 2011


Der ÖGB Tirol, die AK Tirol und die KAB Tirol veröffentlichten aus Anlass des Welttages für menschliche Arbeit folgende Presseerklärung:


Donnerstag, 06. Oktober 2011:

Menschen müssen unter fairen Arbeitsbedingungen leben können!


Wir brauchen gute Arbeitsplätze statt prekäre, soziale Schutzmechanismen statt Sparmaßnahmen und gerechte Löhne statt weiterer Gewinnmaximierung. Das wäre das Fundament für nachhaltiges Wachstum. Beschäftigte dürfen nicht länger ausgebeutet werden. Denn auch viele Tirolerinnen und Tirol sind „working poor", also Menschen, die mit weniger als 951 Euro monatlich auskommen müssen.


Mit dieser Erklärung anlässlich des Welttages für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober, fordern Otto Leist (gf. Tiroler ÖGB Vorsitzender), Erwin Zangerl (AK-Präsident) und Gottfried Kostenzer (Vorsitzender der Katholischen ArbeitnehmerInnen), dass vollwertige Arbeitsplätze auch für Frauen und Jugendliche, geschaffen werden, von denen die Menschen unter fairen Arbeitsbedingungen auch leben können.


Via Karten-Verteilaktion in Tiroler Betrieben werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darauf aufmerksam gemacht. Die morgige Shoppingnacht in ganz Innsbruck, gegen die sich ÖGB, KAB und AK im Vorfeld ausgesprochen haben fällt mit dem Tag für menschenwürdige Arbeit zusammen. „Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital, der Mensch ist das Ziel aller Wirtschaft“. In diesem Zusammenhang wenden sich AK, ÖGB und KAB gegen jede weitere Aushöhlung der Sonntagsruhe und eine Ausweitung der Öffnungszeiten. „Das soziale Miteinander der Menschen braucht genügend geregelte Freizeit und einen arbeitsfreien Sonntag.“


Mit der Karten-Verteilaktion wollen ÖGB-, AK- und KAB-VertreterInnen das Thema „Arbeit“ in den Blickpunkt rücken. Nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch die „unbezahlte“ Arbeit wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, die meist von Frauen verrichtet wird sowie ehrenamtliche Tätigkeiten sollen explizit gewürdigt werden. Die Aktion basiert auf Anregung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ist ein Teil der weltweit organisierten Aktivitäten. Der Welttag für menschenwürdige Arbeit wurde vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) bei seinem Gründungskongress 2006 in Wien ausgerufen und findet heuer zum vierten Mal statt.


Schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Lohnniveaus und mangelnde Arbeitsrechte in Entwicklungsländern würden von multinationalen Konzernen zur Profitmaximierung ausgenutzt. Dieses Phänomen ist auch in Tirol schon erkennbar. Wenn die Arbeit in „entwickelten" Ländern zu teuer würde, verlagern sie Produktion und Dienstleistungen in Entwicklungsländer. „Dadurch kommt es zwangsläufig zu einem Wettlauf nach unten. Dieser Prozess kann nur durch globale gewerkschaftliche Zusammenarbeit gestoppt werden. Menschenwürdige Arbeit im eigenen Land reicht nicht aus. Um Armut und Ausbeutung auch in Tirol und Österreich zu verhindern, brauchen wir eine neue globale Wirtschaft, die sich auf soziale Gerechtigkeit stützt und menschenwürdige Arbeit für alle ermöglicht", sagt Leist.


Rund die Hälfte der weltweiten Beschäftigungsverhältnisse ist ungesichert. Auch in Österreich ist die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit in letzter Zeit erkennbar. „70 Prozent der prekär Beschäftigten arbeiten weitgehend unbezahlt innerhalb der Familie oder ohne Beschäftigungsverhältnis und auf eigene Rechnung. Abgesicherte Arbeitsplätze werden in Tirol und Österreich abgebaut, zu Gunsten von ungesicherten und beliebig verwendbarer Leiharbeit. Leiharbeit hat in Österreich um 40 Prozent zugenommen und wird immer mehr zum Normal- als zum Sonderfall der Anstellung. Die soziale Absicherung der Leiharbeiterinne und Leiharbeitern ist keinesfalls mit regulären Arbeitsverhältnissen vergleichbar“, erklärt Erwin Zangerl.


„Die Aktion in Tirol wird so aussehen, dass wir Fabriken, Werkstätten, Büros und Handelsgeschäfte besuchen. Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überreichen wir Glückwünschkarten mit der Aufschrift „EINEN GUTEN ARBEITSTAG“. Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Menschen im Mittelpunkt der Arbeitswelt stehen müssen“, erklärt Gottfried Kostenzer abschließend.




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