04.08.2010 | Kathpress
utl: "Märchenbuch übers Steuerzahlen" in zweiter Auflage mit 60.000 Exemplaren erschienen - KAÖ fordert neue Debatte über Vermögensbesteuerung
Wien, 04.08.10 (KAP)
Ein "Märchenbuch" empfiehlt die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) den heimischen Politikern als Urlaubslektüre. Das von der KAÖ erarbeitete und nun gemeinsam mit Österreichischem Gewerkschaftsbund ÖGB und Arbeiterkammer Oberösterreich verteilte "Märchenbuch aus Österreich übers Steuerzahlen" will gezielt Behauptungen zum Thema Steuern unter die Lupe nehmen. Es handelt sich dabei bereits um die zweite Auflage mit einer Stärke von rund 60.000 Stück.
In der aktuellen Steuerdebatte dürfe das Thema der sozialen Gerechtigkeit nicht abhanden kommen, mahnte Mitautorin Maria Etl vom "Forum Arbeit, Wirtschaft & Soziales" der KA. "Es ist immer die gleich Frage, die uns umtreibt: wie können wir als Christen soziale Gerechtigkeit nach den Prinzipien der katholischen Soziallehre in den laufenden politischen Diskursen einklagen?"
Das "Märchenbuch" beginnt dabei durchaus "klassisch": "Es war einmal ein Land, in dem wurde jede und jeder nach seinem/ihrem Vermögen und Einkommen besteuert" - Ein Märchen, das jedoch "sehr wenig den Fakten unseres Steuersystems" entspreche, so die nüchterne Fortsetzung der KA-Autoren.
Konkret räumt das Heft mit einigen "Steuermärchen" auf, so etwa der weit verbreiteten Meinung, dass Steuersenkungen mehr Geld für alle bedeuten. Von einer allgemeinen Steuer- und Abgabensenkung profitieren hingegen vor allem die Besserverdienenden, da sie weit weniger auf die Sozialleistungen des Staates angewiesen seien. Weiters stimme auch das "Märchen" nicht, dass Menschen mit niedrigem Einkommen keine Steuern zahlen - so schlagen zwar keine Lohnsteuern zu Buche, jedoch fallen Sozialabgaben, Mehrwertsteuer und sonstige Konsumabgaben wesentlich stärker ins Gewicht als bei Besserverdienern.
Wesentlich auch der Hinweis, dass die Besserverdiener nicht - wie es ein gerechtes Steuersystem vorsehen müsste - mehr Steuern bezahlen. Vielmehr bieten sich den Topverdienern durch Abschreibungen und Steuerprivilegien wie etwa die Errichtung von Privatstiftungen zahlreiche Schlupflöcher.
Forderung nach stärkerer Vermögensbesteuerung
Enthalten sind in dem "Märchenbuch" auch konkrete Forderungen, wie etwa jene nach einer angemessenen Vermögensbesteuerung. Der Anteil der vermögensbezogenen Steuern am gesamten Steueraufkommen habe laut KA in Österreich im Jahr 2007 nur 1,4 Prozent ausgemacht - aufgrund der Abschaffung von Vermögens-, Erbschafts-, Schenkungs- und Börsenumsatzsteuer. Eine Wiedereinführung würde im Jahr 4 Mrd. Euro erbringen, so die KA. Bei der Vermögensbesteuerung liegt Österreich im EU-Vergleich auf einem der letzten Plätze - dies bedrohe langfristig die Funktionsfähigkeit des Sozialstaates.
Weiters fordert die KA in dem Buch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer als einen "wichtigen Schritt zur Eindämmung der Spekulationen auf den Finanzmärkten".
Schließlich weist die Broschüre den bekannten Werbeslogan der Wirtschaftskammer - "Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut" - zurück mit dem Verweis, dass es gerade die Wirtschaft sei, die die Schere zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahren weiter geöffnet habe. Heute müsse der Slogan vielmehr umgekehrt werden: "Geht's den Menschen gut, geht's der Wirtschaft gut".
Erhältlich ist das "Märchenbuch", das in Zusammenarbeit mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), der Katholischen Aktion Wien, der Katholischen Sozialakademie (ksoe), sowie der Katholischen Frauen- und Männerbewegung (kfb und KMB) herausgegeben wird, bei der Katholischen Aktion Österreich (1010 Wien, Spiegelgasse 3/2 - per Mail über office@kaoe.at) zum Preis von 1 Euro oder online als Download im Internet unter www.kaoe.at
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